Von Fischen und Fahrrädern

Und dann kam pünktlich zum Weihnachtsfest ein dicker Briefumschlag der Denkmalbehörde aus Karlsruheins Haus geflattert. Mit einem freundlichen Weihnachtsgruß wurde uns das Buch: Erforschen und Erhalten. Jahresbericht der Bau- und Kulturdenkmalpflege in Baden-Württemberg 2019 zugesandt.

Direkt hinter dem Ulmer Münster wird hier das Pumpenhaus als zweites Beispiel für die gelungene Erhaltung eines Kulturdenkmals aufgeführt. Wir sind gerührt über das Lob für unsere Arbeit und wir teilen die Freude über das Ergebnis.

Wir danken nochmal ausdrücklich den Denkmalschützer*innen, die uns geholfen haben, das Pumpenhaus zu retten. Zusammen mit den Kolleg*innen aus der Stadtverwaltung Heidelberg haben wir alle Hürden genommen, um hier wohnen zu können.

Sprüche klopfen

Unsere grüne Insel hat nochmal eine ganz neue Qualität für uns bekommen, seit es durch die Corona-Pandemie zu Lockdown und Begrenzungen der Bewegungsfreiheit gekommen ist. Freunde und Bekannte haben das Pumpenhaus als Ziel für einen Ausflug genutzt und wir haben die Gespräche über den Zaun hinweg sehr genossen.

Auf den Wegen um das Haus herum sind seitdem auch so viel mehr Menschen unterwegs, die sich als Spaziergänger oder mit allerlei Rollhilfen ausgestattet, ein wenig die Beine vertreten.

Da kam uns die Idee, unsere alte Kreidetafel an den Zaun zu hängen und ab und zu den vorbeikommenden Menschen einen erbaulichen Spruch mitzugeben. Dafür haben wir überraschend viel positive Rückmeldung bekommen. Es gab sogar schon süße Überraschungen für uns in Form von kleinen Pralinenschachteln als Dankeschön. Besonders gefreut haben wir uns über eine Weihnachtskarte einer Spaziergängerin mit freundlichen Worten zu unseren Sprüchen. Es freut uns, dass wir Menschen, die an unserem Haus vorbei kommen, ein paar positive Gedanken schenken können.

Wohnen an der Schlossallee

Bereits Ende letzten Jahres wurde gut die Hälfte des Schrebergartenwegs neu asphaltiert und so die Zufahrt zum Pumpenhaus annähernd schlaglochfrei. Wir waren zunächst ein wenig enttäuscht, dass die schöne neue Fahrbahndecke 50 Meter vor unserem Haus endete und wir weiterhin mit dem alten Belag vorlieb nehmen mussten.
Wir erklärten uns das mit dem etwas unklaren Status unseres Abschnitts des Schrebergartenwegs als „nicht öffentlicher“ Weg, der aber aber als Zufahrt zu den Schebergärten und unerem Domizil dient.

Umso erstaunter waren wir, als wir plötzlich ein liebevolles Schreiben der Stadt Heidelberg erhielten, dass unser Auto eventuell im Weg sein könnte – und waren gespannt, was auf uns zukommen sollte.

Tatsächlich rückte ein Bagger samt Personal an und machte sich an Grabungen rund um die Doppelschikane, die schon so manchen Auto- und Radfahrer herausgefordert hat. Als dann die freundlichen Arbeiter noch nachfragten, wie sie unseren Stellplatz denn gestalten sollen ob wir auch einen befestigten Zugang zu unserem Gartentor haben wollen, kannte unsere Begeisterung für diese Baustelle keine Grenzen mehr. Uns wurde in Aussicht gestellt, dass, wenn alles nach Plan laufen würde, die Arbeiten binnen drei Tagen abgeschlossen wären. Nun läuft es bekanntlich nie nach Plan und so war es auch bei dieser Baustelle.

Der Bagger förderte eine Grube mit Schachtdeckel zutage, von deren Existenz weder wir noch das Straßen- und Tiefbauamt Kenntnis hatte. Wir mussten natürlich nachschauen, was es mit dem unterirdischen Bauwerk auf sich hat.

Anscheinend diente der versteckte Schacht als T-Kreuung für das Brunnenwasser zwischen den beiden Pumpenhäusern und dem Wasserturm (heute Tankturm). der Schacht weist das Datum 16.04.1954 auf, ist etwa zwei Meter tief und sorgfältig gemauert. Eigentlich schade, dass dieses Bauwerk nur kurz ans Tageslicht kam. Schon ein paar Tage später wurde die erste Schicht Asphalt über den Schacht gelegt und der Belag der Kurve abgefräst.

 

 

 

Dann passierte eine gute Woche gar nichts und als wir schon wieder unser Auto in die Einfahrt stellen wollten, kam dann doch noch die finale Fahrbahndecke auf unsere Zufahrt und den Schrebergartenweg. Jetzt ist leider auch der schöne alte Schachtdeckel wieder versteckt – mal sehen, bei welchen Ausgrabungen er jemals wieder zum Vorschein kommt.

Von geschenkten Steinen und Blumen

Die Außenanlagen des Pumpenhauses zeichnen sich bisher dadurch aus, dass wir den ursprünglichen und naturnahen Zustand Bewahrt haben. Das war aber schon dem Baurechtsamt seinerzeit ein Dorn im Auge und auch das Denkmalamt fragte bei seiner Abnahme nach, wann wir denn das Außen dem Innen angleichen würden. Wir waren nach der Sanierung etwas müde, erneut eine Baustelle zu eröffnen. Aber jetzt sind wir wieder erholt genug und nehmen den ersten Abschnitt in Angriff. Es soll der Hof vor der Eingangstür und der Weg bis zur Treppe an der ehemaligen Laderampe aufgehübscht werden. Lange haben wir nach dem passenden Belag für diese Fläche gesucht und waren mit allen Angeboten der professionellen Plasterverlegern nicht so recht zufrieden. Dann haben wir bei Pinterest ein paar Bilder gesehen, in denen alte Ziegelsteine zur Befestigung von Wegen genutzt wurden. Das haben wir gleich mal ausprobiert und haben unsere übrig gebliebenen Ziegelsteine probehalber ausgelegt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wir werden dem Denkmalamt vorschlagen, diese Steine als primären Belag zu akzeptieren. Dazu wollen wir rote Sandsteinplatten verlegen, die wir als Geschenk aus dem ehemaligen Klosterflügel der Jesuitenkirche in der Heidelberger Altstadt überlassen bekommen haben.

Unser Domizil steht in einer Kleingartenanlage. Das hat einige Vorteile. Wir bekommen immer wieder Früchte und Gemüse von unseren lieben Nachbarn geschenkt. Und dann gibt es diese wunderbaren Momente, in denen wir Pflanzen angeboten bekommen, die eine neue Heimat auf unserem Grund bekommen können. Es blüht und grünt immer mehr und wir sind sehr dankbar für diese Aufmerksamkeiten!

Öl ist nicht gleich Öl

Beim Parkettlegen wurde leider das falsche Öl genommen und so steht uns noch einmal eine große Räumungsaktion mit Schleif- und Ölarbeiten ins Haus. Dabei hatten wir gerade angefangen, uns in unseren Schubladen und Schränken auszukennen.,,

Heute haben wir schon mal den Freisitz richtig geölt. Den Platz brauchen wir in zwei Wochen als Zwischenlager.

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Zurück zum Beton

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Die Betonarbeiten sind abgeschlossen! Die neuen Bodenplatten in Anbau und Hauptgebäude sind drin und wir können zum ersten Mal unser zukünftiges Wohnzimmer betreten. Die Aussparungen für Wendeltreppe und begehbares Glas sind super geworden. Die Schalungsarbeiten hat Gabor Szabo wieder in Absprache mit den Mitarbeitern von Pfeifer Bau GmbH angefertigt, unser Statiker Herr Hacker hatte nichts zu beanstanden und so bekam das Pumpenhaus binnen einer Woche einen neuen festen Boden.

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Die Wendeltreppe haben wir in diesem Zuge komplett abgebaut und werden sie mit den Originalteilen zu einem späteren Zeitpunkt wieder anbringen und für das neue Untergeschoss entsprechend anpassen.

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Nach dem Rückbau der Schalung hatten wir ziemlich müde Arme. An die 60 Baustützen haben wir aus den zwei Untergeschossen Richtung Tageslicht gewuchtet und dabei etwas wehmütig an den alten Kran über dem Brunnenschacht gedacht.

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Außerdem haben die Mitarbeiter von Pfeifer Bau GmbH die von ihnen selbst gebaute Schalung für die Versorgungsleitungen im Anbau mit Beton voll laufen lassen. Das muss leider wieder aufgestemmt werden.

Aus terminlichen und logistischen Gründen haben wir das Betonieren des Bodens im zweiten Untergeschoss erst nach den Betonarbeiten im Erdgeschoss erledigt. Es geht doch nichts über ein wenig ehrliche Handarbeit auf dem Bau!

Den Beton haben wir selber beim Betonwerk TBG Kurpfalz-Beton „um die Ecke“ geholt und vor Ort zur Verarbeitung fertig gemischt.

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Den Kippmischer haben wir bei Mietfix geliehen, Eimer, Seil und Schaufel gehörten uns bereits und rundeten die Auswahl der Sportgeräte ab.

Zusammen mit dem Betonboden im zweiten Untergschoss hat der Brunnen nun auch eine tagwasserdichte Schachtabdeckung erhalten. Es war gar nicht so leicht, eine so große Abdeckung zu finden und wir danken der Firma Tröger+Entenmann für die Hilfe bei der Suche und pünktichen Beschaffung (auf dem Bild noch beim „Probeliegen“ vor dem Einbau).

Schachtabdeckung

Hin und wieder schauen Freunde bei uns am Pumpenhaus vorbei und beschäftigen sich mit den Brombeeren im „Garten“. Die Pflanzen versuchen stetig, das Pumpenhaus zurückzuerobern. Nur zu, wir nehmen auch diese Herausforderung an!

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Wissenschaftlicher Durchblick

Heute kam eine Gruppe Studierender und Wissenschaftlerinnen der Fachhochschule Mainz zum Pumpenhaus.

In einem zweisemestrigen Praxisprojekt erarbeiten die Studierenden des Fachbereichs Gestaltung unter der Leitung von Frau Prof. Iris Fäth, Prof. Alexa Hartig, Prof. Markus Pretnar, Prof. Clemens Tropp, Dipl. Ing. Anita May und Zimmerermeister Wolfgang Diehl Konzepte zur Entwicklung des Pumpenhauses zu einem Wohnhaus.

Wir freuen uns über die Neugierde und den Enthusiasmus aller Beteiligten und sind gespannt auf die neuen Impulse und Ergebnisse der Arbeiten.